Was ist ein Tiny Forest?

Ein Tiny Forest ist ein kleiner, dicht bepflanzter Stadtwald, der mehrheitlich aus einheimischen Bäumen und Sträuchern besteht. Auch wenn er nur wenige hundert Quadratmeter umfasst, ist er so konzipiert, dass er sich zu einem artenreichen Ökosystem entwickeln kann.

Blick von oben auf einen grünen Wald neben einer Straße.
Ein Tiny Forest aus der Vogelperspektive. © MIYA forest e.V.

Was einen Tiny Forest auszeichnet, ist seine außergewöhnliche Dichte. Während in Gärten und Parks junge Bäume oft im Abstand von einigen Metern gepflanzt werden, beherbergt ein Tiny Forest 3 bis 5 Setzlinge pro Quadratmeter von 30 bis 40 einheimischen Arten. Dies führt zu einem intensiven Wettbewerb um Licht, sodass die jungen Bäume deutlich schneller wachsen als bei einer offenen Bepflanzung und das Blätterdach in der Regel innerhalb von drei bis fünf Jahren schließen.

Selbstregulation

Sobald sich das Blätterdach schließt, wird der Tiny Forest zu einem sich selbst regulierenden System. Die Baumkronen schützen den Boden vor intensiver Sonneneinstrahlung und tragen dazu bei, Feuchtigkeit zu speichern, während abgefallene Blätter zu Humus verrotten und den Boden kontinuierlich nähren. Auf diese Weise etabliert sich in bemerkenswert kurzer Zeit ein sich selbst erhaltender Kreislauf – ähnlich einem natürlich gewachsenen Wald.

Das Ergebnis ist ein lebendiger Lebensraum. Auf sehr kleiner Fläche bietet ein Tiny Forest Insekten, Vögeln und Kleintieren Nahrung und Schutz und fördert so eine große Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Für Menschen wird der Wald zu einem Ort der Entspannung.

Ein Schmetterling sitzt auf einer Blüte in einer Blumenwiese.
Ein Tiny Forest bietet vielen Tierarten Nahrung und Unterschlupf. © robbieross / Magnific

Der Ursprung der Methode

Der Botaniker und Pflanzenökologe Prof. Dr. Akira Miyawaki entwickelte in den 1970er-Jahren in Japan das Konzept des Tiny Forest. Er wollte die ursprüngliche heimische Vegetation in den industrialisierten Gebieten Japans wiederherstellen. Durch die Beobachtung der Gärten alter Shinto-Schreine kam Miyawaki zu dem Schluss, dass sich gesunde Wälder nur dann entwickeln können, wenn sie mit Pflanzenarten angelegt werden, die in der Region natürlich vorkommen oder an die klimatischen Bedingungen angepasst sind. Darauf aufbauend entwickelte er eine Methode zur Wiederaufforstung. Miyawaki betreute persönlich mehr als 1.700 Projekte zur Waldwiederherstellung. Das Konzept wurde vom indischen Ingenieur Shubhendu Sharma weiterentwickelt und für städtische Gebiete optimiert. Heute wird die Methode weltweit angewendet.

Darum sind Tiny Forests wichtig

Hitzewellen, Dürren, Starkregen und der Rückgang der Biodiversität betreffen uns alle. Die Klimaerwärmung trifft Städte besonders hart. Durch den Mangel an Grünflächen heizen sie sich stark auf, es mangelt an Wasserquellen, Nahrung und Lebensräumen für Tiere. Hier kommt die Tiny-Forest-Methode ins Spiel.

Vorteile für die Biodiversität

Tiny Forests sind darauf ausgelegt, die Artenvielfalt zu fördern. Sie helfen isolierte Grünflächen wie Parks und Gärten miteinander zu verbinden, sodass Insekten und andere Kleintiere sich ausbreiten können. Dies ist eine wichtige Grundlage für den Erhalt der Artenvielfalt.

Vorteile für das Klima

Tiny Forests schützen die lokale Umwelt. Durch Verdunstung und Schatten kühlen sie die Umgebung messbar und spürbar, was insbesondere in immer heißer werdenden Städten die Lebensqualität steigert. Gleichzeitig verbessern ihre tiefwurzelnden Bäume die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens: Starke Regenfälle werden aufgefangen und das Hochwasserrisiko verringert. Die Wälder tragen zudem dazu bei, Feinstaub zu binden und die Lärmbelastung durch den Verkehr zu reduzieren.

Zwei Kinder betrachten Pflanzen durch eine Lupe.
Kinder können in einem Tiny Forest die Natur entdecken. © magnific / Magnific

Vorteile für die Gesellschaft

Zahlreiche Studien belegen, dass sich der Kontakt zur Natur positiv auf den Menschen auswirkt: Stress wird abgebaut, die psychische Gesundheit verbessert sich und das allgemeine Wohlbefinden steigt. Tiny Forests dienen als Orte der Entspannung, des Lernens und der sozialen Begegnung.